Mission Takin Trail II (11.09.2020)

Nachdem wir im ersten Teil der Operation Takin Trail von unserer Hauptbasis im Norden von Lythium in den Südwesten nach Mafaraz verlegt haben, war nun im zweiten Abschnitt die Aufgabe, die Stadt zu sichern und vier Drahtzieher der Aufständischen festzusetzen. Bei jenen vier Personen handelte es sich um den Warlord Abulrahman Al Mohammad, einen Bombenbauer namens Aman und zwei Waffenschmuggler, Massud und Wassim.

An diesem Abend agierten die beiden Platoons wie so oft getrennt voneinander. Während sich das 2. Platoon um die Sicherung der Stadt kümmerte, bildete das 1. Platoon mit Section 1-6 (1-2 und 1-3) eine Quick-Reaction-Force, die in der Bushlurker Base stationiert war, und errichtete mit Section 1-7 (1-1 und 1-4) im Osten eine Straßensperre, um alle vorbeifahrenden Autos zu kontrollieren. Die Vorgehensweise des 2. Platoons sah so aus, dass 2-2 eine Overwatch-Position einnahm (siehe Karte unten; Anhöhe 379 im gelb markierten Bereich) und 2-1 und 2-3 aus Nordwesten in die Siedlung vordrangen.

Kartenübersicht der Mission
Geschehnisse in Mafaraz

An der Overwatch-Position von 2-2 kam es bereits früh in der Mission zum ersten Feuergefecht, als Aufständische im Nahbereich das Feuer eröffneten. Es dauerte nicht lange, bis die sowohl in der Anzahl als auch in der Ausrüstung unterlegenen Widersacher neutralisiert wurden; die Durchsuchung der Stadt konnte begonnen werden.
Die Gefangennahme der vier gesuchten Personen war das Hauptziel des Abends. Allerdings hatten wir bei der Gesprächsaufklärung große Probleme bei der Verständigung mit den Einwohnern. Hilfreiche Tipps oder Hinweise auf die Gesuchten bekamen wir dadurch nicht, die Jungs konnten sich nur an Namen orientieren. Das erschwerte die Suche um einiges. 

Es dauerte nicht lange, da waren schon die nächsten Schüsse zu hören. Diesmal handelte es sich allerdings nicht um eine Kleingruppe an einheimischen US-Gegnern, sondern um Massud, einen der beiden Waffenschmuggler, der in seiner Werkstatt ausfindig gemacht wurde und sich zur Wehr setzte. Der Aufständische wurde daraufhin mit wenigen (eigentlich ziemlich vielen – also wirklich sehr vielen) Schüssen zu Boden gestreckt.

Als wieder Ruhe eingekehrt und die Durchsuchung erneut in vollem Gange war, kam es bei der Straßenblockade von 1-1 zu einem weiteren Feuergefecht. Aus den südlich gelegenen Gebäuden beschossen Aufständische den Checkpoint von Section 1-7. Fast zeitgleich entdeckte 1-3 ein Lager im Norden von 1-4, dem Sicherungselement von 1-1. Dort war eine Funkanlage aufgebaut, die mittels Tarnnetz versteckt gehalten wurde (“Feindliches Lager” auf der Kartenübersicht). Zwei Widersacher konnten an Ort und Stelle bekämpft werden, einer ergriff die Flucht.

Als außenstehender Beobachter überschlugen sich die Ereignisse des Abends nacheinander: Die Gefechte im 1. Platoon waren beendet, da meldete das 2. Platoon eine IED im Norden von Mafaraz. Ein EOD-Team wurde angefordert, um sich der Sache anzunehmen.

IDAP-Versorgungskonvoi

Section 1-6 wurde kurzweilig dazu beauftragt, zu einem IDAP-Konvoi etwa eineinhalb Kilometer nordwestlich der Bushlurker Base zu verlegen, und dort Kisten mit Nahrung und medizinischen Vorräten abzuholen.
Dies geschah und schon wenig später wurden die Güter am Marktplatz der Siedlung an die Dorfbewohner übergeben.

IDAP-Konvoi
Luftunterstützung
Apache überfliegt die Stadt

Wir trafen im Verlauf der Mission auf einen unbekannten Warlord, der sich mit seinen Wächtern in einem Haus verschanzte. Nachdem sich der Unbekannte weigerte, seine Waffen abzugeben, brach das wohl heftigste Feuergefecht des Abends aus. Aus Süden näherten sich große Gruppen aufständischer Kämpfer mitsamt Fahrzeugen; Luftunterstützung wurde angefordert.
Zwei Personen, der Warlord und sein Assistent, konnten festgenommen werden, der Rest starb.

Geiselnahme

Als die Stadt schlussendlich durchsucht und gesichert war, meldete ein Anwohner, dass sich drei Personen südlich von Mafaraz in den Fängen der Aufständischen befanden und als Geiseln gehalten wurden. Das 1. Platoon machte sich daraufhin umgehend auf den Weg zum angegebenen Compound (markiert auf Karte oben mit “Geiselnahme”). Jedoch kamen wir bereits zu spät: Alle drei Geiseln waren tot, als wir sie auffanden. Ob die Aufständischen diese hingerichtet haben oder ob diese von Querschlägern der US-Truppen erwischt worden waren, konnte nicht festgestellt werden.

Im Debriefing wurde klar, dass von den gesuchten Personen nur eine Zielperson ausfindig gemacht werden konnte – Massud, der bei seinem Festnahmeversuch ums Leben kam. Ob wir den Rest der Bande noch aufspüren können, wird sich nächste Woche herausstellen.

Zum Abschluss noch das Gruppenfoto, das wir an diesem Abend gemacht haben.
Mehr gibt es im nächsten Artikel zu lesen.

Bis dahin, hooah!