Operation Nightwatch

Den gesamten Oktober über zog es uns in den Nordwesten von Lythium, genauer gesagt in das Gebiet rund um Nefer. Wie unten auf der Karte zu sehen ist, ist jenes Einsatzgebiet in mehrere Regionen geteilt. Die insgesamt vier Missionen der Operation Nightwatch (02.10. bis 23.10.) drehten sich um die dortigen Combat Outposts [COPs] Martin und Puesto Vulcan sowie die Ortschaften Nord-, Süd- und Zentralnefer.

Kartenübersicht der Operation Nightwatch I-IV
Nightwatch I (02.10.2020)

Die Charlie Company, die in den COPs Martin und Puesto Vulcan stationiert war, wurde über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder von Aufständischen angegriffen. Das hatte zur Folge, dass die Jungs einige Verluste in ihren Reihen verzeichnen mussten. Da das 3. und 4. Platoon der Charlie Company geschwächt waren, bekamen wir den Auftrag, mit dem 1. und dem 2. Platoon der Alpha Company die FOBs zu besetzen und in dem Gebiet für Ruhe zu sorgen.

Im ersten Teil der Operation waren die Aufgaben überschaubar:
Zuerst beluden wir beide verfügbare Chinooks, die uns anschließend ins neue Einsatzgebiet fliegen sollten. Mit dem Logistik-Krams waren wir rasch fertig, wir saßen auf die Helis auf – die Reise ging los.

Der Nationale Tag der Nacktheit findet offiziell am 14. Juli statt. Asathor und Bro haben sich offenbar im Kalender verschaut und kamen nackt zum Dienst. Das Problem: Es gab erst in den FOBs Kleidung für die beiden. Der Flug war für die Jungs von 1-4 also ziemlich frisch um die Eier rum.

Bro (li.) und Asathor (re.) haben immerhin ihre Helme auf

Da die Chinooks nicht genug Platz für ein ganzes Platoon boten, flogen die CH-47 jeweils zweimal mit zwei Squads pro Flug. Während der Anflüge auf die COPs wurde schnell deutlich, dass es sich um eine ziemlich heiße Landezone handeln wird. Im zweiten Anflug dachte sich wohl einer der Piloten, er drehe lieber um und fliegt wieder heim.

Aber seht selbst:

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Im Endeffekt landete der verbliebene Heli aber doch noch. Wir konnten unser Zeugs ausladen und die FOBs übernehmen. Der COP Martin wurde dem 1. Platoon zugewiesen, das 2. Platoon quartierte sich im COP Puesto Vulcan ein.

Der Folgeauftrag bestand aus Patrouillen Richtung Norden und durch die Gebiete Nefers. Das 2. Platoon marschierte durch Zentral- und Nordnefer, das 1. Platoon nahm sich Südnefer mitsamt der östlich gelegenen Schule und dem angrenzenten Marktplatz vor. Es kam zwar zu vereinzelten Feindkontakten und Feuergefechten, allerdings stellten diese keine großen Herausforderungen dar.

Der Einsatz neigte sich dem Ende zu, wir verlegten zurück in die COPs.

Nightwatch II (09.10.2020)

In der Nachbesprechung der Mission Nightwatch I stellte sich heraus, dass der COP Puesto Vulcan nur schwer zu verteidigen ist, wenn nicht ein gesamtes Platoon die Sicherung übernehme. Daher teilte die Führung den kleineren COP Martin der geschwächten Charlie Company zu, während COP Puesto Vulcan gänzlich in die Hände der Able Company gelegt wurde.

Die To-Do-Liste des Abends sah wie folgt aus:

  • Das 1. Platoon marschiert von Martin nach Puesto Vulcan
  • Dort angekommen – Aufmunitionierung und Aufstockung von Sanitätsmaterial
  • Anschließend Patrouille durch Zentralnefer
 
1-3, 1-4, 2-2 und 2-4 bezogen im Zuge der Patrouille auf erhöhter Position Stellung, um die restlichen Jungs innerhalb der Ortschaften sichern zu können. 2-1 und 2-3 blieben im COP Puesto Vulcan, 1-1 und 1-2 marschierten durch Nefer und betrieben Gesprächsaufklärung.
 
Ein simpler Plan, aber leichter gesagt als getan. Während Teile des 1. Platoon bereits im Vormarsch auf die Siedlungen waren, bekamen wir heftigen Beschuss aus dem Norden. Zudem waren immer wieder Schüsse aus dem Westen zu hören, dort, wo sich die FOB Martin befand. Die Feuergefechte hielten eine Weile an.
Dann kam er plötzlich – der Funkspruch, dass die Martin FOB überannt werde und die Charlie-Jungs aktuell um ihr Leben kämpfen. Die Patrouille wurde abgebrochen, wir verlegten umgehend in den Westen. Das 1. Platoon griff den COP aus dem Norden an, das 2. Platoon näherte sich aus dem Süden.

Im Süden gab es kein Durchkommen. Das Zwote hatten mit schweren Ausfällen zu kämpfen.
Auch im Norden war es nicht besser. Sobald man einen Fuss in die Tür setzte, flog man kopfüber wieder hinaus.

Ungefähr so –>

Es dauerte ewig, bis wir uns den Weg in die FOB freischießen konnten. Schlussendlich gelang es uns aber, alle Aufständischen auszuschalten. Die Jungs der Charlie Company waren alle tot, es gab keine Überlebenden.
Bei dem Versuch, die Patrouille durch Zentralnefer zu vollenden, trafen wir erneut auf so heftigen Widerstand, dass wir uns nach Puesto Vulcan zurückziehen und unsere Pläne für die Folgemission aufschieben mussten.

Nightwatch III (16.10.2020)

Im dritten Teil der Operation war das Ziel, die Schmuggler, die die Täler zwischen den beiden COPs als Geheimroute nutzten, ausfindig zu machen und festzunehmen. Im Zuge dessen warteten wir auf den Einbruch der Nacht, da während der Dunkelheit vermehrt mit Schmuggelaktivitäten zu rechnen war. Die beiden Platoons agierten an jenem Abend getrennt voneinander. Das Erste übernahm die Sicherung von Puesto Vulcan und Patrouillen in Richtung Nordnefer. Das Zwote marschierte nach Nordwesten, um die Schmuggelrouten abzugehen und nach Verdächtigen Ausschau zu halten.

Die Mission begann bereits mit einem Rückschlag: Die Schule in Zentralnefer, an welcher wir beim Aufbau mit finanziellen Unterstützungen geholfen hatten, wurde durch Selbstmordattentäter gesprengt. Sie brannte in der Finsternis lichterloh.

Die Folgen des Anschlags
Die Blaulichtorganisationen waren rasch vor Ort

Zumeist hörte man im Laufe des Abends auch immer mal wieder ein paar Jungs “INCOMING!” brüllen. Häufig unterstrichen von einem “BOOOM!” und einem “Bravo ausgefallen!”.

Besonders das 2. Platoon musste während der Mission ziemlich viel einstecken. Aber auch das 1. Platoon stand im COP unter Dauerbeschuss.

Der Druck der Aufständischen war so groß, dass sich das Zwote zum COP zurückfallen lassen musste. Dort gelang es dem Ersten gerade so, alle Angriffe abzuwehren. Das Ziel der Mission konnten wir somit nicht einmal ansatzweise erreichen. Wir bekamen deutlich zu spüren, dass wir dort unerwünscht waren.

Nightwatch IV (23.10.2020)

Über drei Wochen waren wir nun schon im Nordwesten von Lythium. Da es uns sehr schwer fiel in diesem Einsatzgebiet für Ruhe zu sorgen, nahm der Unmut der Bevölkerung uns gegenüber stetig zu. Unsere Bemühungen, die Einwohner auf unsere Seite zu ziehen, schlugen mehrmals fehl. Auch die Sprengung der Schule im dritten Teil der Operation verschlechterte unser Ansehen in der Region.

Wir mussten handeln, wenn wir von den Menschen dort noch eine Chance bekommen wollten. Eine große Patrouille durch alle Teile Nefers wurde angesetzt. Das Ziel war, durch Lieferungen von Hilfsgütern die Bewohner von unseren guten Absichten zu überzeugen. Auf der unten abgebildeten Karte werden die geplanten Marschrouten deutlich. Das 2. Platoon übernahm die Sicherung des COPs, das 1. Platoon begann im Süden mit der Patrouille.

Kartenübersicht der Mission Nightwatch IV

Die Mission fing bereits bescheiden an:
Als das Erste auf dem Weg in die Siedlung war, kam ein verbündeter Heli mit Nachschub aus dem Süden geflogen. Dieser wollte in Puesto Vulcan landen. Betonung liegt hier auf wollte. Auf den Hügeln im Süden Nefers versteckten sich zwei Aufständische, die mit einer RPG auf den Hubschrauber schossen – und auch trafen. Der Heli stürtzte ab. Die gesamte Besatzung war tot, die Munition explodierte beim Aufprall.

Der Heli kurz vor dem Aufprall

War dies nicht schon ärgerlich genug, so stürmten nun auch mehrere Feinde aus dem Süden auf den COP zu.

Wir forderten Luftunterstützung an, die schlimme Folgen haben sollte. Eine der Granaten ging direkt in die Ortschaft.

Den Ansturm der Aufständischen konnten wir abwehren. Dennoch ließen die Widersacher nicht locker. Nach fünfminütiger Feuerpause begann es Mörsergranaten auf unsere Position zu regnen – und das nicht zu knapp. Die Jungs, die sich außerhalb des COPs befanden, zogen sich in jenen zurück und suchten in den Gebäuden Deckung.

Das Ganze war First Sgt. Hoegi wohl ein wenig zu viel. Wir fanden ihn schlafend in einem kleinen Schuppen auf. So einer aber auch …

Hoegi ist auf dem Boden gelegen / Hoegi hat auf dem Boden gelegen

Da sich Teile des 2. Platoons im Norden von Puesto Vulcan auf Position OP A (siehe Karte) befanden und dort mit schweren Ausfällen zu kämpfen hatten, brachen die übrigen Squads des Zwoten die Sicherung im COP ab und eilten ihren Leuten zur Hilfe. Das Erste blieb vor Ort.

Dann ging die Post ab: Das 2. Platoon musste sich komplett in den Süden zurückfallen lassen, da große Feindgruppen mit Technicals auf dessen Position vorrückten. Es wurde eine immer größere Menge an Aufständischen. Der COP drohte zu fallen. “Sicherungen abbrechen und in den Süden zurückziehen!”, befahl die Führung.

Überschlagend ging es im Marsch Marsch fast zwei Kilometer weg von Puesto Vulcan. Im Rücken hatten wir jederzeit die Aufständischen, die uns jagten. Ein ständiges Pfeifen von Schüssen drang um unsere Ohren. Die Widersacher flankierten uns zudem aus dem Osten. Wir mussten uns zweimal eingraben, um Verwundete zu versorgen. Es war eine aussichtslose Situation.

Nach einem beinahe zweistündigen Rückzug gelang es uns allerdings, weit genug zurückzufallen, um von unseren CH-47igern aus diesem elendigen Gebiet sicher ausgeflogen werden zu können. Nach einem kurzen Flug waren wieder in unserer Hauptbasis.

Operation Nightwatch lief von Anfang an nicht nach Plan. Der zunehmende Widerstand machte uns über Wochen hinweg sehr zu schaffen. Das Gebiet um Nefer und die beiden Outposts mussten aufgegeben werden.

Für uns geht es kommenden Freitag dennoch weiter. Wir schauen voller Hoffnung auf die neue Lage und werden im Zuge der nächsten Operation alles in unserer Macht stehende tun, um unsere neuen Ziele diesmal zu erreichen.

Alles Weitere im nächsten Artikel.

Bis dahin, hooah!