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Als Bulat Golubov im Juni 2017 nach zwei vergeblichen Anläufen die kurtakischen Präsidentschaftswahlen gewinnt, sind die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft gespalten: Während der Westen angesichts Golubovs prowestlicher Ausrichtung ausgiebig zum Wahlsieg gratuliert, verkündet Garri Sergejewitsch Iwanow, Präsident der Rotlandischen Föderation, es lägen Hinweise vor, dass die Wahl möglicherweise von ausländischen Mächten manipuliert worden sei.

Der Westen widerspricht und tut diese Anschuldigungen als vollkommen unbegründet ab. Iwanow bekräftigt jedoch, man werde den Ablauf der Wahl und das Ergebnis genauestens überprüfen. Sollte sich der Verdacht der Wahlfälschung bestätigen, müsse dies automatisch zur Annullierung von Golubovs Sieg und zur Bestätigung des bisherigen Präsidenten, Jegor Popow, führen.

Bulat Golubov, ein ehemaliger Militär und Geheimdienstler, kam durch umstrittene Immobiliengeschäfte zu immensem Reichtum.

In dieser Situation versucht Golubov, Nägel mit Köpfen zu machen: Während er die westlichen Verbündeten mit einer politisch-militärischen Allianz ködert, versucht er, die Kritiker im eigenen Land, vor allem das Militär, mit wirtschaftlichen Anreizen auf seine Seite zu ziehen. So erhebt er mehrere hochrangige Militärs in die Vorstände von Energieunternehmen, die die Ausbeutung der kurtakischen Off-Shore-Gasvorkommen übernehmen sollen. Diese Zweigleisigkeit kommt Rotlandia gut zu pass.

Die kurtakischen Off-Shore-Erdgasvorkommen könnten den Wohlstand des Landes über Jahrzehnte hinaus garantieren.

Sowohl in den eigenen Staatsmedien als auch in Zeitungen und TV-Sendern Kurtakistans und der westlichen Welt macht Rotlandia zusehends Stimmung gegen Golubov und seine Politik: Golubov sei ein kurtakischer Oligarch, der eine neue Schatten- und Vetternwirtschaft aufbauen wolle, um sich selbst und seine Unterstützer zu bereichern. Gleichzeitig forciert man innerhalb Kurtakistans das Bild Golubovs als „korrupter Schoßhund des Westens“ und „militärische Marionette der NATO“, die durch Wahlfälschung und Hinterzimmerpolitik illegal die Macht ergriffen habe.

Die Stimmung im Land wird zunehmend gespalten und aufgeheizt. Während des Sommers kommt es immer wieder zu heftigen Protesten beider Seiten, die sich teilweise zu regelrechten Straßenschlachten entwickeln. Bei einem dieser Proteste wird Popow von einem offensichtlich geistig verwirrten Attentäter erschossen. Als Reaktion auf die eskalierende Gewalt stattet Golubov die Polizei mit weitreichenden Befugnissen aus. Rotlandia verurteilt diese Instrumentalisierung und zunehmende Militarisierung der Exekutive auf das Schärfste. Der Westen reagiert dagegen weitgehend konzeptlos und verunsichert. Zwar müsse natürlich die staatliche Ordnung sichergestellt werden, dabei sei jedoch stets auf die Einhaltung der Menschenrechte und demokratischer Standards zu achten, so politische Vertreter unterschiedlichster Nationen. Popows Tod sei bedauerlich.

Jegor Popow war trotz seiner überraschenden Wahlniederlage gegen Bulat Golubov bei der kurtakischen Bevölkerung äußerst beliebt.

Die Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich indes auch im Militär wider, so dass Teile der kurtakischen Streitkräfte in den frühen Nachtstunden des 15. Septembers putschen: Bomber ohne Kennung fliegen Angriffe auf das Parlament und den Präsidentenpalast. Währenddessen riegeln Kräfte des 22. Infanteriebataillons und der 1. Panzerkompanie des 4. Panzerbataillons die Hauptstadt Novigrad ab. Landesweit kommt es zu Angriffen auf Kasernen und Stützpunkte der Loyalisten. Nach kurzer Schockstarre schlagen die Loyalisten in den Morgenstunden des 16. Septembers zurück. Auf beiden Seiten fließt viel Blut, so dass dieser Samstag und der darauffolgende Sonntag als das „Wochenende der Tränen“ in das kurtakische Gedächtnis eingehen.

Über die Außenbezirke rücken Panzer bis ins Zentrum der Hauptstadt vor.

Inmitten der andauernden Kämpfe wird Mitte der darauffolgenden Woche bekannt, dass Golubov bei dem überraschenden Bombenangriff auf den Präsidentenpalast tödlich verletzt worden sei. Die Amtsgewalt geht nun auf Piotr Tarnowski über, einen Hardliner, dem die westlichen Staatschefs weitgehend misstrauen, und den Iwanow rundheraus ablehnt. So entbrennt ein neuer Konflikt zwischen den quasi-westlich orientierten Loyalisten Tarnowskis und den Putschisten unter der Führung Feodor Wassiljewitsch Gogols, einem prominenten Vertreter der rotlandischen Minderheit Kurtakistans und Befürworter eines Anschlusses an Rotlandia.

Bei der rotlandischen Minderheit Kurtakistans genießt Gogol, der Sohn ehemaliger Kosaken, großes Ansehen und Vertrauen.

In den folgenden Wochen gelingt es den Loyalisten unter der Befehlsgewalt Tarnowskis, die Hauptstadt zu befreien und die aufständischen Truppen immer weiter nach Osten zurückzudrängen. Dennoch wird der Konflikt bisher noch so geführt, dass Zivilisten weitgehend verschont bleiben. Schließlich will keine Seite die Unterstützung der Zivilbevölkerung aufs Spiel setzen. Noch ist dieser Krieg ein Krieg der Militärs, kein Bürgerkrieg. Dies ändert sich erst im Spätherbst, als sich zusehends ein militärisches Patt entwickelt: Energie- und Nahrungsmittelknappheit setzen beiden Seiten ebenso zu wie Materialausfälle und Munitionsknappheit. Vor allem die Nahrungsmittelvorräte der Bauern, der Ernährer eines Großteils des Landes, werden nun immer häufiger konfisziert. Das Land taumelt auf eine Hungersnot zu.

Bei den zunehmend intensiver geführten Gefechten sterben nicht nur Soldaten, sondern auch immer mehr Zivilisten.

Um die Situation der Zivilbevölkerung noch vor dem drohenden Wintereinbruch zu verbessern, schicken sowohl Rotlandia als auch die NATO-Staaten Versorgungsgüter nach Kurtakistan. Doch obwohl sie scheinbar dasselbe Interesse haben, werfen sich beide Seiten umgehend vor, vor allem die ihnen jeweils freundlich gesinnten Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. Tatsächlich werden die Hilfsgüter der NATO nachweislich vor allem im westlichen Teil Kurtakistans verteilt, während Rotlandia überwiegend die östlichen Teile versorgt.

In diesem Zusammenhang wird wiederholt und zunehmend unverblümter auch der Vorwurf der Lieferung von als Versorgungsgütern getarnter militärischer Ausrüstung geäußert – ohne dass eine der beiden Seiten stichhaltige Beweise hierfür liefern kann. Mutmaßlich vor diesem Hintergrund kommt es am 17. September zum Abschuss mehrerer C-130 der NATO-Staaten, die jedoch nachweislich nur Hilfsgüter an Bord hatten. Rotlandia streitet jegliche Verantwortung hierfür ab und bezichtigt stattdessen kurtakische Loyalisten, die entweder ohne genügende Voraufklärung oder auch mit mangelnder Kenntnis ihrer eigenen Waffensysteme Boden-Luft-Raketen zum Einsatz gebracht hätten. Als Reaktion auf die Abschüsse stellt die NATO ihre Versorgungsflüge vorübergehend ein.

Von den Crews der abgeschossenen C-130 hat niemand überlebt.

Als die ehemaligen Putschisten bzw. Rebellen während der Wintermonate 2017/2018 immer mehr an Boden verlieren und ihre militärische Lage zunehmend aussichtlos erscheint, kommt es am 8. Februar 2018 in mehreren Frontabschnitten in Zentral-Kopec zum unangekündigten Einsatz von Chemiewaffen. Beide Seiten erleiden hierbei schwere Verluste – von der Zivilbevölkerung ganz zu schweigen. Welcher Befehlshaber den Angriff autorisiert, ist bisher nicht bekannt. Sogar die Konfliktpartei, die die C-Waffen zum Einsatz brachte, kann bis heute nicht zweifelsfrei bestimmt werden. Umfangreiche Untersuchungen der NATO-Staaten und Rotlandias erbringen hierzu sich jeweils widersprechende Erkenntnisse.

Dennoch wird als Reaktion auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen innerhalb kürzester Zeit eine UN-Mission zur Befriedung Kurtakistans auf den Weg gebracht. Und auch Rotlandia, sonst ein entschiedener Gegner internationaler Einmischung in nationale Angelegenheiten, verspricht, sich nach Kräften an dieser Mission zu beteiligen. Erste Truppenverbände unter UN-Mandat werden bereits Ende Februar nach Kurtakistan verlegt. Das sekundäre Ziel dieser Friedensmission – die Durchmischung rotlandischer Friedenstruppen mit denen anderer UN-Mitgliedsstaaten oder gar NATO-Staaten – kann jedoch nicht erreicht werden. So setzt Rotlandia seine Friedenstruppen vorwiegend im östlichen Zentral-Kopec und in Süd-Zargoria ein. Eine zusätzliche Stationierung von UN-Truppen in diesen Gebieten lehnt Iwanow als unnötig ab.

Auch wenn es vereinzelt immer wieder zu Gefechten zwischen UN-Blauhelmen und kurtakischen Truppen kommt, wird der Friedenseinsatz in Kurtakistan innerhalb der UNO als Erfolg bewertet: Der Konflikt zwischen Loyalisten und Putschisten verschiebt sich nun zunehmend auf die politische Bühne – bis es im Juni 2018 zu einem erneuten, diesmal viel massiveren Einsatz von Chemiewaffen kommt. Die Verantwortung hierfür trägt nach einer Untersuchung der kurtakischen Exilregierung der Brigadegeneral der Luftwaffe Artjom Tarkov. Dieser gehört zwar ursprünglich den Loyalisten an, liebäugelt geheimdienstlichen Erkenntnissen zufolge jedoch vermehrt mit den Rebellen. Inwieweit diese Anschuldigungen zutreffen, kann leider nicht vollends geklärt werden, da Tarkov kurz nach diesem Vorfall verhaftet wird und noch in der darauffolgenden Woche in Kerkerhaft verstirbt.

Obwohl seine Schuld nicht zweifelsfrei bewiesen werden konnte, gilt Tarkov als Verantwortlicher des verheerenden C-Waffen-Einsatzes.

Die Folgen dieses C-Waffen-Einsatzes sind für alle ein Schock: Ganze Landstriche werden auf Jahre völlig unbewohnbar, Flüchtlingsströme ziehen quer durchs Land, der Staat Kurtakistan steht am Abgrund. Doch in dieser Stunde der größten Not stehen die Kurtakistaner zusammen: Unter Führung eines Rates um den ehemaligen Universitätsprofessor Wladimir Jerofejewitsch Sokolow bildet sich im Spätsommer in Wien die Zivile Zukunftsbewegung Kurtakistans (ZZB), die sich für einen Dialog zwischen Ost und West, zwischen Putschisten und Loyalisten ausspricht. Schnell hat diese pazifistische Bewegung sowohl auf nationaler wie auch internationaler Ebene mehr Unterstützung als die ehemaligen Kriegsgegner Tarnowski und Popow.

Für den Westen gilt Sokolow als größte Hoffnung für einen anhaltenden Frieden in Kurtakistan.

Angesichts der äußerst klammen wirtschaftlichen Lage Kurtakistans, finanzieren die Vereinten Nationen währenddessen umfangreiche Dekontaminationsmaßnahmen, um das Land wieder bewohnbar zu machen und eine Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen. Vor allem das Grundwasser und die Vegetation weisen zu diesem Zeitpunkt noch immer Spuren chemischer Kampfstoffe auf, die bei Kontakt eine bedeutende Gefährdung der Bevölkerung bedeuten. Zudem beginnen unter der Leitung der ZZB nun Friedensgespräche zwischen Putschisten und Loyalisten, die sich bis in den Frühling 2019 hineinziehen. Dann ist es endlich geschafft: Beide Seiten verabschieden ein Friedensabkommen, dass noch im selben Jahr die Abhaltung freier und demokratischer Regionalwahlen vorsieht, um eine spätere gesamt-kurtakische Präsidentschaftswahl vorzubereiten. Das Ziel ist, dass jede Bevölkerungsgruppe eines jeden Landesteils an diesem demokratischen Prozess teilhaben soll, um letztlich eine Regierung zu schaffen, die die kurtakische Bevölkerung nach allem Grauen und Leid, das ihr widerfahren ist, am besten repräsentieren kann.

In manchen Landesteilen sind die Dekontaminationsmaßnahmen noch immer nicht abgeschlossen.

Die Kurtakistan Security and Assistance Force, kurz KSAF, ist hier, um diese Wahlen und den Willen des kurtakischen Volkes zu schützen.